Meeresspiegel und Bevölkerung steigen an, Ackerland für Anbau und Viehhaltung wird weltweit knapp – und leben wollen die meisten von uns eher in Großstädten als in dörflicher Umgebung. Die Frage, die sich deshalb zunehmend stellt, ist: Ist es möglich, die Landwirtschaft näher an die Verbraucher zu bekommen? Für Obst und Gemüseanbau werden (zum Glück!) immer wieder interessante Konzepte wie Dachgärten oder Indoor-Ideen wie Infarm oder Fresh Square vorgestellt. Aber Milchviehhaltung zwischen Szenekiez und Industriegebiet?

Geht auch! Sagt zumindest das privat finanzierte Megaprojekt Floating Farm, das drei neiderländische Geschäftsleute zusammen mit einem Team der Goldsmith-Architekten entwickelt und konzipiert haben. In der Pilotstadt Rotterdam wird aktuell die erste sogenannte Floating Base gebaut. Im August soll sie schon fertig sein – als voll funktionsfähiger Beweis für eine astreine Kreislaufwirtschaft. Haupterzeugnis in diesem Fall: Milchprodukte. Produziert wird nahezu autark. Nur zwei Arbeitskräfte sind auf der modernen Cityfarm nötig.

Die entsteht in Rotterdam auf einem mehrstöckigen Ponton, das mit 1200 Quadratmetern größer als ein gängiger Supermarktparkplatz ist. Oben, unter einem Glasdach voller Solarpanels für die Energie, leben  60 ausgewachsene Kühe. Ein Boden aus Kunstrasen und echte Bäume sollen auf der einen Seite für eine im Ansatz natürliche Umgebung sorgen, und dient gleichzeitig als durchlässige Konstruktion, die den Urin der Tiere direkt in einen darunter liegenden Tank statt, wie sonst so problematisch, ins Grundwasser fließen lässt. Die Kuhfladen sammelt ein Reinigungsroboter ein. Auch das Melken übernehmen Maschinen, an die sich die Kühe stellen können, wann sie möchten.

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Screenshot FloatingFarm Video

Unter all dem befinden sich Seminarräume, in denen Anwohner mehr über Landwirtschaft lernen sollen sowie die Kühlung für die gewonnene Milch. Die erforderliche Temperatur erzeugt in Rotterdam die vorbei strömende Maas. Pro Tag kann die Floating Farm laut ihren Erfindern 1500 Kilogramm Milch produzieren.

Puh! Ganz schön viel! Und ganz schön future! Und doch eine Idee, die Schule machen könnte. Denn egal, wie vegan wir die Welt persönlich gern hätten: Der Verbrauch von Lebensmitteln, wahrscheinlich auch von tierischen Produkten, wird steigen. Schon allein, weil wir auf der Welt so viele sind. Und da ist bei der Herstellung potenziell schon Mal alles gut, das funktioniert, ohne noch mehr Abholzung von Wäldern oder Verödung von Böden herbeizuführen.

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Screenshot Floating Farm Video

Was uns am Projekt Floating Farm besonders gefällt? Der angedachte nächste Schritt: So lässt sich das Konzept laut den Machern auch auf Gemüsefarmen übertragen! Na, davon hätten wir dann gern ein paar in Hamburg, München, Köln und Berlin. „Wir können schwimmende Farmen praktisch überall auf der Welt bauen, wo es geeignete Gewässer gibt“, sagt Peter van Wingerden, Gründer und CEO von Floating Farm. Na, dann könnte unser Wunsch ja in Erfüllung gehen.

 

Fotos: Floating Farm

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