Ein warmes Wochenende in Österreich. Enge Kurven am Berg, weiter Blick ins Tal – oder in den hellblauen Sommerhimmel. Wir selbst sind heute unterwegs in Blau metallic. Genauer gesagt im Mercedes B250e. Das e steht für Elektro. Und Elektro steht hier, im Alpenidyll zwischen Schruns und Bregenz, zwischen Kuhherden und Heuernte noch viel mehr für Ruhe und Sauberkeit, als irgendwo sonst. Wenn wir vorbei surren, muss kein Kind in einer Abgaswolke husten. Kein Huhn erschrickt über unseren Sound. Und wir? Sind trotzdem voll im Rallyefieber!

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Marcus und unser Ralley-Auto, der elektrische Mercedes B250e
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Das Cockpit zeigt den Ladestand der Batterie (links), die Reichweite (oben) und den Verbrauch an. Sobald der Zeiger in den grünen Charge Bereich kommt, laden die Batterien auch beim Fahren wieder auf

Im Team Mercedes ist das Team VIERTEL \ VOR bei der Silvretta E-Auto am Start. Mitmachen dürfen Hybridfahrzeuge mit einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor, vollelektrische Batterie-Modelle und auch Autos, die Dank Brennstoffzelle ihren eigenen Strom erzeugen können. Und weil Motorsport schon immer als Alltagstest für nützliche Automobiltechnik galt, schauen später alle auf das beste Ergebnis – aber auch auf die Technik hinter dem Fahrzeug, das es erzielen konnte. Für uns die beste Gelegenheit, einen Überblick zu bekommen, das elektronische Fahrgefühl zu testen und vor allem ein bisschen zu gucken und zu staunen, was so alles geht in der Welt der alternativen Antriebsarten.

Und da geht einiges! Heißt: Ein für uns besonders interessantes, weil besonders nachhaltiges, Voll-Elektroauto kann schon jetzt nicht nur ein City Flitzer sein, wie der Smart, sondern auch ein Mittelklassewagen wie der BMW i3 oder unser Mercedes B250e. Und es kann eine Karosse sein, die alle Blicke auf sich zieht – und im Zweifel jeden Porsche weg sägen kann: Sportwagen wie der Fisker, mit Solarpanel auf dem Dach, der Tesla Model S und der Mercedes SLS AMG locken Zuschauer aus der Umgebung, Autofans und Hobbyfotografen an den sattgrünen Straßenrand, wie einst ihre Vor-Vor-Vorgänger auf den ersten Classic-Rallyes.

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Der Mercedes Benz SLS AMG hat 750 PS und fährt voll elektrisch
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Solarpanels auf dem Dach: der Fisker, der so aktuell leider nicht mehr zu Kaufen ist
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Anna vorm Start der Ralley in Schruns, Österreich
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Team VIERTEL \ VOR beim Start zur Ralley. Schon nach zehn Metern sind wir das erste Mal  falsch abgebogen

Wir fahren vorbei und winken raus und versuchen, in der vorgegebenen Sollzeit zu bleiben. Denn nicht Schnelligkeit gewinnt hier den Wettkampf, sondern Präzision. Gas geben ist natürlich trotzdem nicht ausgeschlossen! Zum Glück! Denn die Fahrspaß-Stärke von so einem E-Auto liegt vor allem in der mega-schnellen Beschleunigung. Diese hatte uns zuletzt ja schon Formel-E-Fahrer Nick Heidfeld angepriesen. Dass unsere B-Klasse aber so dermaßen zackig abziehen würde, damit hatten wir trotzdem nicht gerechnet. Überholen bekommt eine völlig neue Qualität für den Fahrer – und Abbremsen für die Effizienz! Denn wer bremst, gewinnt. Und zwar neue Energie.

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viertelvor-esilvretta-28Eine Anzeige im Cockpit verdeutlicht, wann wir Strom verbrauchen (beim Gas geben), wann nicht (beim Rollen) und wann wir sogar neuen produzieren (beim Bremsen). So variiert die Reichweite – die bis heute übrigens zu den am meisten kritisierten Nachteilen des Elektroantriebs gehört – durch bewusstes Fahren. Like!

Ein weiteres Gegenargument, mit dem wir schon im Vorfeld der Silvretta-Rallye immer wieder konfrontiert waren, ist der Strom, mit dem so ein E-Auto am Ende angetrieben wird. Denn wirklich nachhaltig, sprich umweltfreundlich ist das Fahren ohne Benzin natürlich nur dann, wenn die Antriebsenergie aus erneuerbaren Quellen kommt. In Österreich war das für alle Teilnehmer der Silvretta E-Auto Strom, der durch die großen Werke in den Alpen aus Wasserkraft gewonnen werden kann.

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Pilotenwechsel: Bei der Silvretta besteht ein Team aus Fahrer und Navigator
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Wir während der Ralley. Marcus zeigt das Victory-Zeichen (oder auch VIERTEL \ VOR-V – und ist sich (noch) des Sieges sicher

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Aber auch in Deutschland wäre schon jetzt genug Strom aus Wind- und Sonnenenergie vorhanden, um das zuverlässige Durchladen aller aktuellen E-Autos sicherzustellen. Das bestätigt Jürgen Schenk, Mercedes-Director für eDrive Integration, auf Nachfrage von VIERTEL \ VOR. Wenn sich alles weiter entwickelt wie bisher, könne im Jahr 2038 überall auf der Welt voll elektrisch und komplett aus regenerativen Energie gefahren werden. Das ganze Interview mit dem Chefentwickler für Elektrofahrzeuge bei Mercedes gibt’s demnächst hier. Stay tunded!

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Das Ziel in Schruns

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In der Gesamtwertung haben wir nur den 21. Platz von 25 Teilnehmern belegt. Aber: Für eine Etappe, die wir im Feldvergleich mit Bestzeit zurücklegen konnten, haben wir am Ende doch einen Preis bekommen

Ach ja! Und bevor wir über den Flash der schönen Rallye-Landschaft noch die Fakten vergessen: Gewonnen haben wir die Silvretta nicht. Eher im Gegenteil. Nach einer wirklich mies versemmelten Wertprüfung liegen wir in der Endwertung auf Platz 21 von 25 Teilnehmern. Umso größer war die Überraschung bei der Siegerehrung. Weil wir eine andere Prüfung am besten von allen, sprich präzisesten auf Zeit gefahren sind, bekommen wir einen Preis – und einen kleinen Lachflash! Wir haben’s doch immer gewusst: Elektromobilität ist in Sachen Autofahren genau unser Ding!

 

FOTOS: Marcus Werner / Mercedes Benz

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