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Ökologische Mode bedeutet kratzige Stoffe und Batiktücher? Nichts da! Schon mal gar nicht im Green Showroom. Während der Berliner Fashion Week haben die Aussteller ein Statement gesetzt: Dafür, dass es auch bei grünen Designs vor allem um gute Schnitte und ein top Tragegefühl geht – nachhaltige Herstellung sehen sie als Selbstverständlichkeit an. Wir auch! Hier kommen die VIERTEL \ VOR- Favoriten:

Jan ’n June – mit neuen grünen Durchstarterteilen

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Ach, Anna Bronowski, ach Jula Holtzheimer! Spätestens das Interview für VIERTEL \ VOR hat uns dieses Jahr gezeigt, dass die beiden Supergirls vom Hamburger Label Jan’n June wirklich alles richtig machen: Klare, coole, moderne und trotzdem langlebige Designs, zertifizierte Stoffe, nachhaltige Produktion und immer ein CR-Code, mit dem der Kunde den Herstellungsweg nach verfolgen kann. Dazu ein Konzept mit Stil und natürlich die charmanten Gründerinnen, die im Green Showroom durchgehend von Interessierten umlagert – und uns auch von diversen Konkurrenten als Lieblingslabel genannt wurden.

Neu für die kommende Saison: „Wir haben zum ersten Mal auch Tencel, eine Lyocell-Faser, die aus Holz gewonnen wird, und Leinen in der Kollektion“, sagt Jula. Außerdem gibt’s zum Winter auch wieder Polyesterteile aus alten Plastikflaschen und Neoprenmäntel, die aus recyceltem Meeresmüll gemacht sind. Und natürlich die Kollaboration mit Ina Budde, für die Jan’n June komplett recycel- und / oder kompostierbare Stücke entworfen hat.

DAS ZIEL:  Den Modemarkt umkrempeln und beweisen, dass Eco Fashion nicht ökig aussehen muss.

WIR DENKEN: Das klappt! Und helfen gern aus vollem Herzen dabei, Jan’n Junes #byebyefastfashion mit zu promoten.

Ina Budde – und ihr innovatives Design for Circularity

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„Ich möchte Recycling gestalten – direkt von Anfang an“, sagt Designerin Ina Budde. Macht sie. Und wie! Die neue Clothingline „DFC X JNJ. Curated Circularity – designed for Infinity“ hat Ina für das Label Jan’n June entworfen. Und wir wären beim Anblick der tollen Teile auf der Green Showroom Salonshow vor Freude fast umgefallen.

Und trotzdem sind es noch nicht mal die Designs, die wir an Inas Design for Circularity am Beeindruckendsten finden. Es ist der geschlossene Kreislauf, den die Westfälin für ihre Mode entwickelt hat. „Ich produziere null Prozent Abfall und benötige auf Dauer auch null Prozent neue Ressourcen“, sagt Ina. „Alle Produkte sind recycelbar oder können durch Kompostierung als Nährstoff in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden.“

So kommt sie auch zu verschiedene Materialien, die äußerst innovativ sind. Von ihrem einhundertprozentigen Recycling Cotton gibt es beispielsweise nur zehn Meter auf der Welt. In alle anderen Baumwollstoffe werden immer Frischfasern mit eingewoben, weil die alten allein oft zu kurz sind. Inas Stoff wird mit Flüssigkeit statt mit neuem Garn zusammengehalten „Das sind die Sachen, wo man wirklich spart, weil wirklich gar nichts neues hergestellt werden muss“, sagt sie. „Das ist es, wo wir hingehen müssen.“

Und es geht noch weiter. Die Designs sind am Etikett mit einem QR-Code ausgestattet. „Den kennen wir in der Mode ja mittlerweile aus Transparenzgründen“, so Ina. „Bei mir geht’s mit dem Code aber noch einen Schritt weiter: Man kann damit den ganzen Lebensweg eines Teils verfolgen.“ Heißt auch: Wie oft wurde es schon gemietet. Zum Beispiel bei der Kleiderei, in der es aktuell bereits Blusen von Ina zum Ausleihen gibt.

DAS ZIEL: Ein weitreichender geschlossener Material- und Recyclingkreislauf. Mehr Transparenz. Besseres Bewusstsein.

WIR DENKEN: Ganz schön komplizierte Kollektions-Namen! Egal. Wir haben eine neue Fashion Heldin. Bitte alle, die irgendwas produzieren, ruhig mal ein Beispiel an der ebenso klugen wie sympathischen Ina Budde nehmen. Und wir? Wir nehmen gern mal ein Leihteil aus der Kleiderei.

Lanius – mit Material-Neuheiten und nachhaltigen Statements

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Viele Lookbookfotos und den (übrigens wahnsinnig schönen) Fashionfilm für Frühjahr und Sommer 2017 hat das Label diesmal im Kölner Zoo geschossen. „Klar hätten wir auch nach Afrika fliegen können“, sagt Claudia Lanius. „Aber muss das sein?“ Nein, findet die sympathische Designerin. Denn nachhaltig wäre das nicht. Und Flamingos, die die exotische Kulisse für die neuen Lanius-Looks bilden sollten, gibt’s auch zu Haus‘ im Tropenhaus.

Die Lässigkeit, mit der Claudia Lanius solche Entscheidungen trifft, spiegelt sich in ihren Kollektionen wieder. Neben den neuen Ethno-Alloverprints gibt’s viele schlichte und einfarbige Teile. Wer sie trägt, wirkt unaufgeregt gut angezogen. Und wer die zertifizierten und regelmäßig kontrollierten Stoffe auf der Haut trägt, hat immer ein gutes Gefühl.

Wir konnten uns davon vor allem dank der Zusammenarbeit mit der Naturkosmetikbrand Weleda überzeugen. Zum 90. Geburtstag der Alleskönner-Creme Skinfood hat Lanius ein auf 100 Stück limitiertes Kleid entworfen, auf dem die Blumen zu sehen sind, die auch die Creme enthält. Gemacht ist es aus weichem Organic Cotton Jersey gemischt mit Edelweiß-Modal, der für den schönen Fall und das gute Tragegefühl sorgt. Stimmt! Wir mussten es ehrlich gesagt einfach eine Weile lang streicheln.

DAS ZIEL: Ein gutes Gefühl vermitteln – auf der Haut und auf dem Gewissen. Der Fokus liegt klar auf nachhaltiger Unternehmensführung. Weil das Verständnis davon bei Weleda laut Claudia Lanius sehr ähnlich ist, hat sich die Kooperation ergeben.

WIR DENKEN: Wahrscheinlich für immer an diesen weichen Stoff… Und: Selten eine ebenso professionelle wie nahbare Labelchefin erlebt. Nice!

Fremdformat – mit recycelten Lieblings-Accessoires

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Ich gestehe: Accessoire abhängig for life. Klar, dass mein Jewlery-Blick da schon vor längerer Zeit in Richtung Heidelberg geschweift ist. Dort werden die schönen Stücke vom Fremdformat gemacht. Alle aus Messing, alle in Handarbeit – teilweise sogar individualisierbar. Und vor lauter Begeisterung über die Schönheit der Kollektion von Julia (links) und Stefanie Gerner, kann der Betrachter fast schon mal vergessen, dass fast alle Schmuckstücke komplett aus recycelten Spezialabfällen aus der Industrie entstehen. „Beispielsweise den Aussparungen von Dichtungsringen“, erklärt Stefanie. Ob die überrascht waren, als die Ladys erstmals nach den Resten fragten? „Gar nicht mal so“, sagt Julia. Da haben wir’s doch wieder: Man sollte öfter einfach machen!

Das Motto gilt bei Fremdformat auch für den Optimierungsprozess: Gerade haben Julia und Stefanie die Ösen ihrer Ketten ausgetauscht. Die kamen nämlich von Übersee. Jetzt machen sie alternativ lieber selber kleine Häkchen. Die Server für den Onlineshop laufen mit Ökostrom, alle Verpackungen sind frei von Plastik und der Versand ist klimaneutral. Klar, dass die beiden Powerfrauen zur Messe per Zug angereist sind – mit ihrem kompletten Stand im Gepäck.

DAS ZIEL: Rohstoffe besonders bewusst einzusetzen, um keine unnötigen Ressourcen zu verschwenden.

WIR DENKEN: Danke dafür! Und ganz ehrlich: Bei Euch wären wir nach dem Gespräch aus Versehen fast einfach wie zum Kaffeekränzchen sitzen geblieben.

Dedicated – mit schicker Streetwear und unserer liebsten Message

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Ein Tag, viele Eindrücke. Und einer, der sich in unsere Herzen eingestickt hat, wie dieser Aufruf in den Sweater: Support Your Local Planet! Machen wir. Und machen auch die Jungs von Dedicated, dem Streetwearlabel, das grünen Lifestyle endlich auch als Statement auf Caps und Badehosen bringt. Neben den tollen Teilen für Mädchen feiern wir vor allem die für Jungs. Schließlich haben Herrenmodelle trotz des grünen Booms in der Mode bisher eine eher kleine Lobby. Das es dafür keinen Grund, weil durchaus ordentlich Platz gibt, zeigen uns die Schweden mit ihren schönen Prints und lässigen Schnitten.

„Wir haben mit T-Shirts angefangen und von Anfang an gewusst: Wir wollen’s nachhaltig – aber wir wollen nicht dieses Image“, sagt Distributer Sören Maihack (rechts). „Die Leute sollen die Sachen in erster Linie kaufen, weil sie cool sind. Dass sie auch fair und nachhaltig sind, sollte selbstverständlich sein.“ Schwierig wird das für Dedicated mit unter vor allem bei der Produktion ihrer Caps. Bisher ist bei denen „nur“ die Baumwolle GOTS zertifiziert. „So fangen wir erst mal an – und schauen dann, was man da noch weiter machen kann“, so Sören (rechts). Eine kleine Revolution. Mit viel Spaß natürlich! #goodvibesonly

DAS ZIEL: Als Streetwearlabel wahrgenommen werden – und so die grüne Idee noch flächendeckender promoten.

WIR DENKEN: Warum ist uns das mit dem Local Planet nicht selbst eingefallen? Ach, egal! Wie gut, dass es Dedicated eingefallen ist. Wie gut, dass es Dedicated gibt.

Verena Bellutti – mit tollen Taschen aus Resten von Industrieplanen

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LKW-Plane, Werbebanner, Gebäudeverkleidungen: Alles wird aus PVC gemacht – und immer bleibt davon was übrig und wandert direkt auf den Müll. Außer Verena Bellutti kommt dazwischen! Weil Ihr Vater in seiner Firma das Material im herkömmlichen Sinne nutzt, ist der Modemanagerin aus Innsbruck in Österreich schon früh aufgefallen, wie viel Verschnitt es dabei gibt. „Mein Papa selbst hat auch schon immer versucht etwas daraus zu machen. Wichtig ist aber natürlich auch, dass es etwas Schönes, Brauchbares wird“, sagt sie.

Und etwas Schönes, das ist zum Beispiel ihre eigene Leidenschaft: Taschen. „Vor allem solche, die stabil und praktisch sind“, so Verena. Das sind ihre Designs allemal – und gleichzeitig sind die nachhaltig produziert und entsprechen modernen Modellen. Nicht nur in Sachen Handbag! Von Verena gibt’s auch Shopper und Kosmetiktäschchen, Hüllen für den Reisepass oder für den Laptop.

Alle Modelle sind reißfest und wasserdicht „Erst neulich hat mir eine Freundin erzählt, wie sie mit dem Laptop in der Tasche durch den Platzregen gelaufen ist – alles trocken geblieben“, sagt Verena und lacht ihr offenes Lachen. „Nix passiert!“

DAS ZIEL: Die Funktionalität eines herkömmlichen, ohnehin existenten Materials zu verbessern – und mit innovativen Features aufzuwerten

WIR DENKEN: Das ist eine schöne, vegane Alternative für alle, die (verständlicherweise!) Handtaschen lieben. Unser Favorit: die gestanzte Variante in allen Variationen. Like!

Minga Berlin – mit einem Kleidungsstück, das man oft braucht aber gern vergisst

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Sustainable Design setzt Trends, die wir lieben. Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch. Und zwar von Kopf bis – ja, Fuß. Und an ebendiesem sitzt ein Kleidungsstück, dass man im Fashionwahn schon mal vergessen kann: die Socke. Und die Sache mit den Söckchen ist ja, dass man davon im Gegensatz zu beispielsweise Jeansjacken oder schicken Kleidern im Leben eben öfter mal neue braucht. Umso wichtiger ist es, dass sie nachhaltig sind. So wie die Socks von Minga Berlin.

„Wir glauben, dass nur ein konsequent nachhaltig angelegtes Markenkonzept mit ökologisch-sozialen Engagement auf Dauer Bestand haben kann“, findet Geschäftsführerin Bettina Brown. Deshalb sind die bunten Strümpfchen, bei denen sich die Designs an den Pantone-Farben orientieren, aus zertifizierter Bio-Baumwolle hergestellt und erfüllen in der gesamten Produktionskette die GOTS Kriterien. „Gefertigt wird von der Färberei bis zum Lager in Deutschland“, so Bettina.

Neu im Sortiment: ein Highlight, in das wir uns sofort verguckt haben. Die Sportsocke. Gefüttert und mit zwei Streifen am Saum. Und apropos Saum! Der sitzt bei Minga Socks besonders soft. Schön!

DAS ZIEL: Ein unterschätztes Kleidungsstück zu promoten, das viel zu oft viel zu billig und unbewusst gekauft wird. „Mit ein bisschen Farbe, einer tollen Qualität und dem Wissen, dass unsere Socken aus fairer Herstellung kommen, möchten wir die Kunden schon früh morgens zum Lächeln bringen“, sagt Bettina.

WIR DENKEN: Dass das mit dem Lächeln klappt, zeigt die fröhliche Geschäftsführerin. Bettina ist Fachfrau für Material und Produktion – und gibt ihr Wissen gern und kompetent weiter. Davon konnten wir uns schon mehrfach überzeugen. Danke!

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FOTOS: Marcus Werner

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für den schönen Beitrag und die tollen Worte! Wir haben uns sehr gefreut, euch kennenzulernen!

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