Nachhaltige Ideen haben nur nerdige Ökos? Nix da! Auf der Berliner Messe für Lebensmittel und Gastronomie Next Organic konnte sich das Publikum einmal mehr davon überzeugen, wie professionell, kreativ und attraktiv die Aussteller und ihre Innovationen sind. Hier kommen die VIERTEL \ VOR- Favoriten:

Querfeld – und schräges Gemüse für natürliche Vielfalt

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Aus einem Designprojekt ist ein Unternehmen entstanden. Und was für eins! In und um Berlin und München setzt sich Querfeld für aussortiertes, weil nicht der Norm entsprechendes, Obst und Gemüse ein. „Im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Projekten, bedienen wir weniger den Endkunden, sondern machen vor allem Business to Business“, erklärt Isabelle Bleeser am Querfeld-Stand.

Mit Kisten voll krummer Bioland-Möhren oder zu klein geratenen Demeter-Kohlrabis beliefert das Querfeld-Team Restaurants und Kitas. „Für letztere gibt’s an der Seite ein Loch, durch das die Kids alles erst mal  befühlen können“, sagt Isabelle. „Die Kleinen so spielerisch für die Vielfalt von Obst und Gemüse zu sensibilisieren, ist’ne echte Herzensangelegenheit von uns.“

DAS ZIEL: Bewusstsein schaffen – und auch das neue Querbet-Produkt etablieren: das „Hässliche Süpplein“. „Die Suppengläser werden auch in Kisten in Büros ausgeliefert. Und immer wenn man Bock auf’n gesunden Snack hat, kann man sich eine raus nehmen“, erklärt Frederic Goldkorn.

WIR DENKEN: Das Team ist toll und weiß, dass Geschmack keine Frage des Aussehens ist. Und außerdem hat Querfeld eine coole URL mit .bio am Ende. Big Like!

To good to go – und die neue Top-App gegen Lebensmittelverschwendung

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Nicht schön, aber is‘ so: Zwischen 837.000 und 1.015.000 Tonnen Essensabfälle im Jahr entstehen in Deutschland in der Gastronomie. Bisher! Denn zumindest in der Hauptstadt soll eine neue App gegen Lebensmittelverschwendung diese Hammer-Zahlen jetzt reduzieren. Und wir haben alle was davon. Denn was abends in Cafés und Restaurants so übrig bleibt, können die Berliner sich dort mit der App günstig abholen.

Eine Box voll lecker Essen kostet 2,50 Euro. Gut investiertes Geld, auch als Zeichen gegen die Verschwendung. Dass ihr Start-up funktionieren wird, können die Gründer Mai Goth Olesen und Jon Frisk übrigens berechtigt hoffen. Im Ursprungsland Dänemark machen schon mehr als 300 Gastrobetriebe mit.

DAS ZIEL: Bewusstsein schaffen, Lebensmittelverschwendung vermeiden – und langfristig dafür sorgen, dass die Kunden zum Abholen des Essens auch noch ihre eigene Mehrwegbox nutzen.

WIR DENKEN: Warum ist eigentlich vorher noch niemand auf diese schöne Idee gekommen?

Wallnüsse aus regionalem Anbau – und die Ökonauten

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„In Brandenburg hat fast jeder einen Walnussbaum“, sagt Vivian Böllersen. (Wir auch! Anm. der Redaktion). Doch in der Landwirtschaft spielt die Frucht kaum eine Rolle. „Stattdessen ist Kalifornien der Hauptlieferant für den deutschen Markt“, erklärt die 28-Jährige. Weil das ökologisch gesehen natürlich ziemlicher Quatsch ist, will sie die regionalen Bestände mit ausbauen.

150 Walnussbäume verschiedener Sorten hat Vivian selbst in ihrer Land- und Gartenwirtschaft in Velten bei Oranienburg gepflanzt. In zehn Jahren werden es große Bäume sein. „Bis dahin vertreiben wir die Erträge anderer Walnussproduzenten“, so Vivian. Weil die Branche klein ist, kennt die Landwirtin mittlerweile jeden der rund 20 Erzeuger in Deutschland. Die Hälfte davon produziert die Nüsse eigentlich nur aus Spaß.

DAS ZIEL: „Wir wollen daran erinnern, dass Wallnüsse nicht von so weitweg kommen müssen“, sagt Vivian. „Und regionale Bauern dazu anregen, auch wieder mehr davon zu produzieren.“

Mit anderen Landwirten, wie beispielsweise Marcel Schatte, hat Vivian die Ökonauten gegründet, eine Genossenschaft für junge Landwirte. Das Walnussprojekt ist die erste umgesetzte Landwirtschaft des Zusammenschlusses.

WIR DENKEN: Junge, gerade ökologische Landwirte haben eine viel zu kleine Lobby. Was Vivian und die Ökonauten tun ist lebenswichtig. Schließlich wollen wir doch alle immer genug essen.

Bugaloo – und warum Saft trinken ruhig cooler werden kann

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Natürliche Säfte, die man morgens zum Frühstück oder abends im Klub trinken kann: das wachsende Label Bugaloo bietet elf verschiedene Mixe aus reinem Saft an, der in Fläming und im Havelland gepresst wird. „Wir fahren zweigleisig“, erklärt Achim Fießinger, der Bugaloo mit einem Freund und Geschäftspartner entwickelt hat. „In unseren Mostereien kann man sich den eigenen Saft pressen lassen, auch in eigene Flaschen. Und außerdem machen wir unsere Mixsäfte – als ein traditionelles Produkt, in einer schönen Flasche cool verkauft.“

Scheint zu klappen, Einkäufer großer Bio-Ketten waren am Stand ebenso anzutreffen wie Sommeliers und einfache Liebhaber guter Bio-Getränke. „Limo und Schorle gibt’s doch schon genug“, sagt Achim, der mit seinem Partner übrigens auch die Mosterei selbst betreibt.

DAS ZIEL: Dass sich natürlicher Saft als Szenegetränk durchsetzt – und dass Bugaloo auch in Cafés und Bars verkauft wird.

WIR DENKEN: Alles gut, aber der Rote Beete-Apfel von Bugaloo ist am allerleckersten!

PackBio – und warum Kunsstoff kein Plastik ist

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Bei Prodana und PackBio, kooperierenden Anbietern für alternative Verpackungen, haben wir natürlich sofort nachgefragt, ob es sowas wie nachhaltiges Plastik überhaupt geben kann. „Ja“, sagt Dierk Burmeister. „Wenn wir Plastik sagen, dann meinen wir immer ein Material, das auf Erdöl basiert. Es gibt aber auch Plastik aus Kunststoff – und Kunststoff kann durchaus auch aus Stärke sein. Nachhaltiges Plastik gibt es also nicht, nachhaltigen Kunststoff, also ein weiterverarbeitetes Naturprodukt, gibt es schon.“ Und wenn wir alle Produkte am Stand nach der Messe in die Landschaft schmeißen, dann würde laut Burmeister alles verrotten – der Kunststoff im Gegensatz zu beispielsweise Weizenkleie-Tellern am langsamsten nach cirka zwei Jahren. Aber immerhin ohne Freisetzung von Schadstoffen.

Warum nicht schon alle Stärke-Kunststoff nutzen? Das liegt natürlich am Preis. Ein 0,3-Liter-Standard-Becher aus Kunststoff kostet rund 8 Cent. Aus Plastik gibt’s den, je nach Material, schon zwischen 2 und 4 Cent. „Erdöl ist immer noch viel zu billig“, so Burmeister.

DAS ZIEL: Auf Verpackungsmüll aufmerksam zu machen – und langfristig Alternativen zu Plastik etablieren.

WIR FINDEN: Gar keine Verpackung ist immer noch am Besten. Unser absolutes Lieblingsprodukt am Stand war deshalb der Strohhalm aus Stroh. Beweist doch mal wieder die Magie von Back To The Roots! Das ist in diesem Fall – und wäre auch sonst so oft – die nachhaltigste Lösung.

Der Bio Pilzhof Leipzigerland – und riesig leckere Champignons 

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„In Japan gibt es neben süß, sauer und salzig auch noch die Geschmacksrichtung Umami“, erklärt Sascha Edenharter vom Bio-Pilzhof Leipzigerland. Übersetzt heißt das „herzhaft“ – und so wird in Japan nicht nur der Geschmack von Fleisch, sondern auch der von Pilzen beschrieben. Vor allem für Vegetarier und Veganer werden Champignons daher immer interessanter.

Die Pilze in Bio-Qualität herzustellen, ist jedoch eigentlich echt schwer. Denn Champignons gehören zu den empfindlichsten aller Zuchtpilze. Sie ohne chemische Hilfsmittel und Düngung anzubauen galt zeitweise allgemein als schier unmöglich. Der Bio-Pilzhof Leipzigerland macht’s trotzdem! Und dort dürfen die Champignons gern auch mal länger wachsen. Und so viel größer werden, als die kleinen, industriell hergestellten. Ihr gehaltvoller Humus kann außerdem von Landwirten auf anderen Feldern weiter genutzt werden.

DAS ZIEL: Pilze nachhaltig herzustellen – und weiter als Fleischersatz weiter zu etablieren.

WIR DENKEN: So viel Neues wie bei Sascha haben wir in so kurzer Zeit selten erfahren! Und wir geben ihm recht: In der letzten Grillsaison haben wir entdeckt, dass Champignons in Öl gewendet und gesalzen vom Grill, fast wie Hühnchen schmecken.

Pika Pika – und die Chilis von nebenan

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Bei ein paar Nachos mit scharfer Salsa fällt es Marcus wirklich schwer, Nein zu sagen! Weil es leider aber kaum gute Chili-Soßen in Deutschland gibt, hat Pika Pika sofort unsere Aufmerksamkeit geweckt. Am Stand haben wir erfahren, dass der gebürtige Venezolaner Fabian Rueda Marcus‘ Meinung teilt: eine echte Chilikultur gibt es hier einfach nicht. Weil es hier eben auch keine Chilis gibt, mag man zunächst denken. Stimmt nicht! Die Pika-Pika-Chillis für verschiedene, köstliche, saisonale Soßen kommen aus Österreich – und lassen sich so ähnlich relativ leicht sogar auf dem eigenen Balkon anbauen. 

DAS ZIEL: Zu beweisen, dass man Chilis auch in Europa easy anbauen kann – und dass auch Menschen die behauten, nichts Scharfes zu mögen, schnell Fans ihrer Soßen werden können.

WIR DENKEN: Ab Schärfegrad sieben wird’s schwer, entspannt Interviews zu führen. Egal! Spätestens nächstes Jahr wollen wir eigene Chilis züchten.

Lucki Maurer – cooler Spitzenkoch mit noch coolerer Message

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Kein Aussteller, aber ganz klar einer unserer Lieblingsleute auf der Messe: Nose-to-Tail-Experte Ludwig „Lucki“ Maurer. Der bayrische Koch mit eigenem Kopf und eigener Bio-Kobe-Rinderzucht ist Autor des Buches „Fleisch“. Ein geschlachtetes Tier verwertet Lucki immer komplett mit Haut und Haar. Sein Rindsleder wird beispielsweise zu Geldbeuteln oder Gürteln.

DAS ZIEL: Zeigen, dass man nicht nur Steaks essen kann. Und dass kein Schwein allein wegen seines besten Stücks sterben sollte.

WIR DENKEN: Lucki ist ein ganz besonders cooler Koch. Wegen seiner Leidenschaft – und vor allem wegen seines großen Respekts vorm Tier.

Sophia Hoffmann – ein Vorbild mit der Extra-Portion Sympathie

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Auch keine Aussteller- aber eine Botschafterin: für vegane Ernährung mit Spaß – und für die Next Organic. Schließlich war sie dieses Jahr das Postergirl der Messe. Beim veganen Rundgang folgten der charmanten Köchin gefühlt gleich alle Besucher des ersten Tages. Zu Recht! Wir verfolgen ihre Arbeit. Und freuen uns schon sehr auf Sophias zweites Kochbuch, das im Herbst erscheint. Darin steht dann übrigens auch, wie man Mandelmilch selber machen kann. Is‘ ganz easy. Sie hat’s uns im Messetalk schon verraten!

DAS ZIEL: Vegane Lebensweise locker zu vermitteln.

WIR DENKEN: Sophia ist eine echt vorbildliche Powerfrau.

 

Vielen Dank, liebe Aussteller, Botschafter, Köche, Mitarbeiter und Organisatoren. Wir hatten viel Spaß auf der Next Organic – und wir haben viel gelernt.

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FOTOS: Marcus Werner

2 Kommentare

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