Rennsport ohne Motorsounds und mit nachhaltigem Gedanken? Dass das funktioniert, bezweifelte anfangs vor allem in der Szene die meisten. Geklappt hat es trotzdem: Seit der Saison 2014/15 tourt die Formel E durch die Welt. Heute rasen die elektronisch betriebenen Alternativrennwagen mit bis zu 230 km/h durch Berlin.

Der eine oder andere Nicht-Fan fragt sich wohlmöglich, warum man überhaupt mit schnellen Autos um die Wette fahren muss. Fest steht jedoch: Wenn man das tut, dann doch bitte besser mit Elektrorennwagen, als in solchen mit Verbrennungsmotor! Denn die Message ist klar: Wenn sogar die Profis auf E-Mobiliät setzen, dann kann das Fahrgefühl ja so schlecht nicht sein.

Einer, der diesbezüglich weiß, wovon er spricht, ist der ehemalige Formel-1-Profi und aktuelle Formel-E-Pilot Nick Heidfeld. Privat fährt der 39-Jährige einen Nissan Leaf. Ins achte von zehn Rennen geht er für Mahindra Racing. Aktuell liegt Nick auf Rang acht. Und aktuell ist er beruflich sehr zufrieden. Nach verschiedenen anderen Serien und Sportwagen habe er die Formel E als beste Alternative zur Formel 1 entdeckt – und gleichzeitig ein wachsendes Interesse an Nachhaltigkeit.

Kurz vorm Rennen haben wir Nick zum Gespräch getroffen:

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Treibt Dich der ökologische Gedanke an, Formel E zu fahren?

Definitiv. Als ich mit acht Jahren mit dem Motorsport angefangen habe, habe ich über den Umweltaspekt dabei natürlich noch gar nicht nachgedacht.

Der damals in der Gesellschaft ja leider auch noch kein so großes Thema war.

Stimmt. Erstens nicht in der Gesellschaft – und zweitens in dem Alter. (grinst) Motorsport war damals und ist noch heute einfach meine Leidenschaft. Und ich könnte damit schwer aufhören. Selbst wenn es schädlich für die Umwelt ist. Es ist einfach meine Passion.

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Nun fährst Du mittlerweile aber Formel E statt Formel 1.

Genau. Meine Leidenschaft mit der grünen Idee zu vereinen und diese zu promoten – klar, das ist viel besser!

Promoten ist ein gutes Stichwort. Kann die Formel E dazu beitragen, Elektromobilität gesellschaftsfähiger sprich noch selbstverständlicher zu machen?

Ja, ganz sicher. Das ist eines der Ziele der Formel E. Wir wollen zeigen, dass Elektromobilität und der gesamte Öko-Gedanke wichtig und vor allem nicht langweilig ist. Und ich habe das Gefühl, dass sich die allgemeine Wahrnehmung dahin gehend auch relativ schnell verändert hat.

Ja? Das wäre ja schön…

Ich nehme das in jedem Fall sogar relativ deutlich so wahr. Auch in meinem Umfeld abseits des Sports. Was Elektromobilität angeht haben sicher auch US-Prominente viel dazu beigetragen, die schon länger Tesla und Co. fahren. Und viele Leute schauen zu denen auf – und ahmen das nach.

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Hältst Du solche Vorbilder für wichtig? Du bist ja selber eins!

Puh! Nein, ich selbst sehe mich eigentlich nicht als Vorbild. Für nichts und niemanden. Oder andersherum: Was ich tue, tue ich nicht, um als Vorbild dazustehen. Ich möchte machen, was ich will. Wenn den anderen das gefällt, gut! Aber das ist dann auch deren Entscheidung.

Nach Deiner Entscheidung für E statt 1: Was ist beim Fahren das Besondere?

Die Beschleunigung. Der erste Tesla den ich auf der Straße gefahren habe, war in der Beschleunigung schneller als ein Ferrari oder Lamborghini – und das war der Tesla S, also noch nicht mal das schnellste Modell! Das ist schon beeindruckend. E macht Spaß! Ich glaub‘ die Message ist mittlerweile angekommen.

Glaubst Du, dass sich Elektroautos auf dem deutschen Markt durchsetzen können?

Ich bin sicher, dass die normalen Verbrennungsmotoren immer weniger werden. Was ich nicht sicher einschätzen kann, ist was da außer Elektro noch so für neue, gute Techniken gepusht werden. Die meisten großen Werke arbeiten sicher zur Zeit stark an Elektromobilität. Insofern bin ich sicher, dass wir da noch viel mehr sehen in den nächsten Jahren.

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Und weg von der Straße, was ist im Rennen der größte Unterschied zwischen Elektro- und Benzinmotoren?

Die Leistung der verschiedenen Autos ist viel näher beieinander. In der Formel 1 ist von vornherein klar: Wenn Du im falschen Auto sitzt, kannste nicht gewinnen. Das ist in der Formel E nicht so.

Interessiert Dich Nachhaltigkeit eigentlich auch über Deinen Sport hinaus?

Absolut. Sicher nicht so intensiv wie andere Menschen. Aber ich versuche im Alltag schon bewusst zu leben – und das auch an unsere Kinder weiterzugeben. Dabei geht es meines Erachtens ja schon um ganz kleine Sachen. Dass man das Licht nicht hinter sich anlässt, wenn man aus dem Raum geht, zum Beispiel. Wir versuchen außerdem, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Leider gelingt das, wie generell mit unserem westlichen Lebensstil, nicht immer ganz so wie man möchte. Manche Lebensmittel gibt es bei uns einfach nur eingepackt zu kaufen. Wenn das Angebot ökologisch einzukaufen noch größer wäre, dann würde man es sicher auch nutzen!

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Fotos: Mahinda Racing / facebook

2 Kommentare

  1. Cool. Sympathische Saulus-Paulus- Geschichte

  2. Pingback: WIR SIND DIE RALLYE SILVRETTA E-AUTO MITGEFAHREN – UND HABEN NICHT GEWONNEN – VIERTEL VOR

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