Bye Bye Fastfashion ist das Motto und Hashtag von Anna Bronowski und Jula Holtzheimer. Nach ihrem Mode- und Designmanagementstudium in Hamburg haben die beiden bei einer Flasche Wein beschlossen, den Modemarkt umkrempeln zu wollen: mit Eco Fashion, die nicht eco aussieht.

Hat geklappt! Ihr junges Label Jan’n June überzeugt durch ebenso moderne wie zeitlose Schnitte, durch nachhaltiges Material und vor allem durch Transparenz. Mithilfe eines QR-Codes auf dem Etikett kann jeder Träger nachvollziehen, woraus, wie und unter welchen Bedingungen sein neues (Lieblings-)Teil entstanden ist.

Ideen, die ankommen. Schon nach der allerersten Modemesse im Januar 2015 hatte Jan’n June seine ersten Händlerbestellungen. Seitdem gibt es die Kollektionen nicht nur online, sondern auch in vielen Läden. Und so kann das Label seine verhältnismäßig niedrigen Preise halten.

Sich selbst zahlen Anna und Jula bisher noch kein Gehalt aus. Beide haben Nebenjobs und sind für das Label wieder zuhause eingezogen. Alles, weil sie an ihre Überzeugungen glauben. Das finden wir natürlich toll! Und haben bei Powerfrau Jula genauer nachgefragt:

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Was war Euer Antrieb? Der Traum vom eigenen Label oder der Wunsch, etwas in der Branche zu verändern?

Eher das Zweite. Wobei beides lange gar nicht absehbar gewesen ist. Wir hatten eigentlich ganz andere Pläne. Letztendlich ist Jan’n June dann aber wirklich aus dem Gedanken heraus entstanden, dass es doch möglich sein muss, nachhaltige Mode zu machen, die nicht plakativ öko aussieht.

Sondern?

Sondern wirklich zu vergleichen ist mit aktuellen Designern oder auch dem, was es zum Beispiel so bei H&M oder Zara gibt.

Braucht nachhaltige Mode einen Imagewechsel?

Ja, absolut. Weil es da bisher entweder Yogakleidung beziehungsweise bedruckte Sweater und Basics gibt – oder sehr teure Designerteile. Dazwischen ist noch recht wenig.

Und da setzt Jan’n June an.

Genau. Wir machen Mode, die gut auch ein echtes Outfit sein kann – und versuchen diese gleichzeitig preiswert zu halten.

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Muss grüne Mode preiswert sein, um auf dem breiten Markt überhaupt Fuß zu fassen?

Nein, das glaube ich nicht. Bestes Gegenbeispiel: Stella McCartney. Gerade an ihr sieht man aber auch, dass neben der Nachhaltigkeit in jedem Fall auch das Visuelle stimmen muss. Im besten Fall sollte gar nicht mehr extra herausgestellt werden müssen, dass eine Marke nachhaltig ist. Sie sollte es einfach sein – und gekauft werden, weil die Mode gut ist.

Ihr habt das #byebyefastfashion etabliert. Ist Mode zum Wegwerfprodukt verkommen?

Schon. Wir kennen das doch fast alle: Neue Saison, shoppen gehen, günstige Teile von gängigen Modeketten. Viele wissen, dass Stoffqualität und Arbeitsbedingungen nicht richtig gut sein können – nehmen es aber in Kauf. Und nehmen in Kauf, die Teile sehr schnell auszutauschen. Teilweise landen die Sachen ungetragen hinten im Schrank oder sogar auf dem Müll. Die wenigsten kaufen sich noch ein Kleidungsstück für mehrere Jahre – vielleicht sogar fürs Leben.

Ich bin allerdings sicher, dass es auch einen Gegentrend dazu gibt. Nicht zuletzt, weil es einfach auch echt anstrengend ist, so viel zu besitzen! Uns persönlich geht es in jedem Fall so. Und trotzdem finden auch wir: Wenn man bei Zara oder H&M rein geht, sieht ja auch alles schön aus. Wir wissen: Gar nichts mehr zu kaufen ist für viele auch nicht die Lösung. Mode macht Spaß und ist für viele Frauen Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Wir wollen Shoppen nicht generell anprangern, aber wir wollen dringend zeigen, dass es auch Alternativen zu Fast Fashion gibt.

Am aller slowsten also am nachhaltigsten wäre allerdings Second Hand Mode zu kaufen.

Das stimmt. Ich denke allerdings, dass ausschließlich Second Hand zu tragen für viele nicht realistisch ist.

Warum?

Weil viele eben mit der Mode gehen und ab und an mal etwas wirklich Neues kaufen wollen. Und leider auch, weil die Secondhandläden in Deutschland ­– im Vergleich zu beispielsweise Schweden wo es ja nicht nur Kleidung, sondern alles auch aus zweiter Hand sehr etabliert zu kaufen gibt ­– noch viel zu wenig gut sortiert sind. Sortiert meine ich wörtlich. Die Geschäfte sind oft zu unordentlich und vor allem auch zu teuer. Wenn Du für ein Secondhandteil das gleiche bezahlen, musst wie für ein neues, dann geht die Idee nicht auf.

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Du sagtest, dass zu viel Besitz anstrengend ist. Bezieht Ihr euer Jan’n June-Motto „Less is more“ also nicht nur auf Eure cleanen Designs, sondern auch auf den idealerweise übersichtlichen Kleiderschrank?

(lacht) Ja. Also beides! Wir finden es wichtig, dass man das, was man besitzt auch wirklich trägt – und wirklich wertschätzt. Unsere Teile sollen Lieblingsteile sein, zumindest Potenzial dazu haben. Sie sollen einen möglichst langen Weg mit Dir gehen. Dafür muss das Design zeitlos sein und dazu muss die Qualität stimmen. An dieser Stelle wollen wir uns von Ketten wie H&M oder Zara unterscheiden.

Damit tut Ihr nicht nur Gutes, sondern bewegt Euch auch am Puls der Zeit. Habt Ihr Euch auch deshalb bewusst für ein Eco Fashion Label entschieden?

Sicher. Aber eben vor allem, weil wir an die nachhaltige Idee glauben. Und ich glaube, dass Nachhaltigkeit ein Trend ist, der viele Jahre anhalten und hoffentlich auch wachsen wird. Das wird allerdings in der Mode noch einen Moment dauern. Wenn man mal vergleicht, wie lange es gedauert hat, bis Bio-Essen Mainstream geworden ist! Im Gegensatz zu Biolebensmitteln zum Beispiel ist das Interesse an nahhaltiger Mode echt gering. Dabei vergessen viele: Kleidung tragen wir auf der Haut – und die ist unser größtes Organ. Biomode macht also nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch für den Träger Sinn.

 

Aus Umweltschutz- beziehungsweise Aufklärungsgründen habt Ihr einen QR-Code am Etikett entwickelt, mit dem jeder Kunde den Weg Eurer Kleidung nachverfolgen kann. Eine Vorreiteridee?

Das Label Honest by aus Holland gilt als das nachhaltigste der Welt. Die machen das mit der Nachverfolgung  in ähnlicher Weise, sogar noch detaillierter – haben aber keinen QR-Code, soweit ich weiß. In Deutschland sind wir also Vorreiter, ja.

Was ist Euch wichtiger, Transparenz oder Biosiegel?

Transparenz. Nicht zuletzt, weil Siegel teilweise auch kosten. Und wir finden es immer schlecht, wenn man für einen Qualitätsbeleg zahlen muss. Außerdem sind die Siegel für den Verbraucher oft eher verwirrend. Zum Beispiel, wenn ein Stoff GOTS-zertifiziert ist, das Kleid daraus dann aber nicht.

Warum ist das so?

Weil mit GOTS nur Naturfasern ausgezeichnet werden können. Sobald wir in einem Teil auch recyceltes Polyester verwenden, ist eine GOTS-Zertifizierung nicht mehr möglich. Aber erklär das mal alles jedes Mal dazu! Viele Anbieter wünschen sich ein genormtes all übergreifendes Siegel für nachhaltige Textilien. Aber so richtig sehe ich nicht, dass das kommt. Der Weg dahin ist viel zu weit. Vor allem, weil die Recyclingbranche bisher eigentlich kaum mit der Branche für Stoffe aus gezielt biologischem Anbau kooperiert. Ein Beispiel: Beim Recyceln von Baumwolle muss auf grund der kürzeren Fasern immer ein Anteil von mindestens 20 Prozent neuer Baumwolle mit eingesponnen werden. Dass dieser neue Anteil dann aber Bio-Baumwolle ist, dass ist nicht möglich! Wir haben nachgefragt – und da hatten die Anbieter sich aber noch nie Gedanken drüber gemacht.

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Warum ist Biobaumwolle eigentlich besser als konventionelle?

Weil Baumwolle generell eine echte Diva ist! Sie braucht zum Wachsen teilweise komplette Trockenheit – teilweise sehr starke Bewässerung. Meistens wird sie in sehr dürren Regionen angebaut und muss später umso mehr bewässert werden. Oft mit äußerst unmodernen Systemen, sodass bis zu 50 Prozent des Wassers noch auf dem Weg zur Pflanze verloren gehen.

Darüber hinaus ist Baumwolle generell sehr anfällig für Krankheiten. Deshalb wird sie herkömmlicherweise super-doll gespritzt. Natürlich ist das schädlich für den Boden. Und außerdem wird bei der konventionellen Baumwolle mittlerweile hauptsächlich Gen-Baumwolle gepflanzt, durch die der Boden nach ein paar Saisons sogar unfruchtbar wird – und erst mal gar nicht mehr zum Anbau genutzt werden kann. Die Bedingungen sind also sowohl für die Umwelt als auch für die Menschen, die sie anbauen im Regelfall echt unmöglich.

Biobaumwolle braucht genauso viel Wasser, keine Frage. Aber meistens wird auf Bewässerung ohne Verluste geachtet, es gibt Aufbereitungsprojekte und beim Anbau eine sinnige Fruchtfolge.

Generell muss man aber sagen: Egal ob Bio oder nicht, es müssen Alternativen zu Baumwolle gefunden werden! Wir haben einfach den Platz auf der Welt nicht, um so viel Baumwolle anzubauen. Irgendwann muss da Essen hin!

Was sind die Alternativen?

Stoffe auf Zellulosebasis und alles, was man recyceln kann. An beidem wird in Zukunft kein Weg vorbei führen.

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Ihr nutzt für Jan’n June sämtliche Varianten. Woher bezieht Ihr Eure Stoffe?

Zum Großteil aus Europa. Aus der Türkei, aus Italien, Portugal – und einen Teil auch aus Deutschland. Das ist ein ganz toller Lieferant, der noch ganz ursprüngliche, schwere Stoffe macht, die eigentlich für Arbeitskleidung gedacht und deshalb sehr strapazierfähig sind. Diese Stoffe sind günstiger als die, die wir zum Beispiel aus der Türkei beziehen. Aber in Deutschland ist die Textilbranche einfach leider kaum noch existent. Deshalb weichen wir auf Europa aus. Unsere Baumwolle wächst in Afrika oder Indien in Projekten, die GOTS-zertifiziert und unter fairen Bedingungen produziert wurden. Geliefert werden die fertigen Stoffe dann per LKW von den Stoffherstellern zu unserer Produktion nach Breslau in Polen.

Warum habt Ihr Euch für Polen entschieden?

Wir wollten EU-Standards und wir wollten einen Familienbetrieb. In Polen ist die Textilproduktion noch nicht so eingestampft wie in Deutschland. Dort sitzen sehr gute Schneiderinnen, die einen sehr guten Blick haben und uns auch mit der Verarbeitung beraten. Ich bin Halbpolin. Und deshalb gibt es dort zum Glück auch keine Sprachbarriere. Ich fahre regelmäßig hin und wir besprechen zusammen die neue Kollektion.

Welche sind Eure persönlichen Lieblingsteile?

Annas ist Shorts Holly. Meins die Weste Livia. Der geht zu allem!

Welcher ist der Jan’n June-Bestseller?

Die Hose Page. Und der Pullover Lena.

Wie sieht für Euer Label die Traumzukunft aus?

Oberstes Ziel ist es uns noch stärker auch außerhalb der nachhaltigen Läden zu etablieren. Denn nur so kann man nachhaltige Mode auch an die Masse bringen. Zweites Ziel ist es, uns mal ein Gehalt auszuzahlen. Und Nummer drei wäre wirklich ein großer Name zu werden in der Szene, sodass wir mit unserer Mode wirklich etwas erreichen können.

Ein Kommentar

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