Weite Sandwüsten, aufgerissene Erde, trockene Krater – viel größer als ein Fußballfeld, größer als ein Stadion. Öde Fläche, fast soweit das Auge reicht. Für die Landschaft in der Lausitz fällt mir nur ein Wort ein: überdimensioniert. Wer dort ganz im Süden von Brandenburg an einer der vielen Braunkohle-Baggerkanten steht, der kommt sich unweigerlich wahnsinnig klein vor.

Noch bevor es VIERTEL \ VOR gab reiste ich für eine Geschichte über die Renaturierung der Region im aktuellen DB mobil Magazin dort hin. Seit dem weiß ich: Die Lausitz ist ein einzigartiger Ort. Einzigartig schön – und einzigartig kaputt. Und wer einmal da war, der hat keine Fragen mehr zu dem, was die Braunkohleförderung mit ihrer Umgebung macht. Sie macht alles zunichte. Sie verschluckt Dörfer, sie verschluckt Bäume, Wiesen, Felder, Lebensräume. Die Braunkohleförderung hinterlässt leere Löcher, sauren Boden und flächenweise totes Land. Und wer da so steht, inmitten dieser Mondlandschaft, dem stellt sich unweigerlich eine letzte Frage: Wann hört das auf?

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Antwort: unklar. Denn der vernünftige Ausstieg aus der Förderung fossiler Brennstoffe ist ebenso nötig wie schwierig. Obwohl die Braunkohleindustrie in der Lausitz schon seit Jahren völlig zurecht wegen des immensen klimaschädlichen CO2-Ausstoßes unter Druck steht, haben es die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen, aber auch führende Köpfe in der Lausitz zu lange vehement abgelehnt, überhaupt über eine Zeit nach der Kohle nachzudenken. Da geht es um eine gebeutelte Region, deren Hauptwirtschaftszweig die Kohle ist. Es geht um Neuorienterung, Strukturwandel, es geht um Arbeitsplätze, um Politik – und natürlich geht es um Geld.

Davon hat zuletzt Konzernriese Vattenfall ein gutes Sümmchen eingestrichen. Auf dem Höhepunkt der Kritik hat das Energieunternehmen sein Fördermonopol in der Lausitz komplett verkauft. An das tschechische Unternehmen EPH. Was jetzt kommt? Unklar. Eine Tendenz ist jedoch deutlicher denn je zu erkennen: Unmut. Endlich auch zunehmend vor Ort.

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Deutschlandweit ist die Protestbewegung gegen Kohle und für eine schnelle Energiewende stark. Wie stark, das wird am kommenden Wochenende einmal mehr bewiesen. Pfingsten steht im Zeichen der Revolution gegen fossile Brennstoffe.

Wer aktiv dabei sein will, der kann sich vom 9. bis 16. Mai im Lausitzer Klimacamp in Proschim engagieren und/oder am 14. Mai ab 13 Uhr an der Antikohle-Demo in Welzow teilnehmen. Für alle, die ihre Meinung noch wilder und direkter kundtun wollen, ruft das Bündnis Ende Gelände vom 13. bis 16. Mai zum Besetzen der Bagger auf. Wir sind gespannt – und freuen uns über Vor-Ort-Berichte von allen Seiten!

Fotos: FREYA NAJADE – ihr neues Buch zum Thema ist diesen Monat im Kehrer Verlag erschienen

Ein Kommentar

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