Es gibt eine ganz einfache und logische Rechnung: Mit endlichen Rohstoffen lässt sich nicht unendlich produzieren. Das versteht jedes Kind. Trotzdem tun wir so, als gäbe es keine Grenzen beim Wachstum und beim Konsum. Durch immer kürzer werdenden Lebenszyklen unserer Produkte verbrauchen wir die ohnehin schon knappen Rohstoffe immer schneller und produzieren zusätzlich so viel Müll wie noch nie zuvor. Wie kann das eigentlich sein, wäre die Lösung doch eigentlich eine sehr einfache: Bessere Produkte, die länger halten!

Wenn man so eine Formel im BWL-Grundkurs aufstellen würde, dürfte man sich wohl direkt verabschieden und bei den Sozialwissenschaften anmelden. Schließlich bedeutet der oben genannte Lösungsvorschlag nichts anderes als einen Frontalangriff auf unser Wirtschaftssystem:

Unternehmen sind ständig darauf angewiesen, konstant Gewinn zu erzielen. Um dies sicherzustellen, sorgen sie mit einer Strategie dafür, dass wir weiter und weiter ihre Produkte konsumieren. Diese Strategie heißt Obsoleszenz. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Wertverlust oder Abnutzung. Allerdings unterliegen die Waren in diesem Fall meistens nicht einer natürlichen Abnutzung, sondern die Unternehmen planen die Abnutzung ihrer Produkte bei deren Entwicklung gezielt mit ein und verkürzen absichtlich ihre Lebensdauer.

Ein schönes Beispiel hierfür sind Glühbirnen. Ursprünglich wurden Glühbirnen tatsächlich für die Ewigkeit gebaut. So leuchtet die älteste noch intakte Glühbirne der Welt seit unglaublichen 115 Jahren in einer Feuerwehrstation in Livermore / Kalifornien. Erst später haben die großen Glühbirnenhersteller beschlossen, die Lebensdauer ihrer Produkte auf ca. 1000 Stunden zu begrenzen. Ein rein wirtschaftlicher Zug, konnten sie dadurch sicherstellen, dass ihre Kunden nicht nur eine Glühbirne in ihrem Leben kaufen – sondern dauerhaft für regelmäßigen Umsatz sorgen. Ein typisches Beispiel für geplante Obsoleszenz, welches sich im Laufe der Zeit auf viele andere Produkte und Produktgruppen ausweitete.

Neben dieser technischen Beeinflussung bearbeiten uns Unternehmen heute vor allem auf psychologischer Ebene. Diese psychische Obsoleszenz wird durch die Mechanismen des Marketings, der Werbung und der Mode ausgelöst. Dies führt dazu, dass Produkte, die eigentlich noch voll funktionsfähig sind und uneingeschränkt nutzbar wären, auf einmal out oder uncool geworden sind. Das beste Beispiel hierfür sind Mobiltelefone, die durch ihre mittlerweile saisonalen Updates für alle zu verstehen geben, wer auf der Höhe der Zeit ist oder den Anschluss verpasst hat. Und das, obwohl die tatsächlichen Neuerungen bis auf die Verbesserungen bei den Kameras marginal sind und hauptsächlich in der Abwandlung von Größen und Designs stattfinden.
Die psychische Obsoleszenz hat jedoch gegenüber der geplanten einen enormen Vorteil. Sie verschiebt nämlich die Macht der Entscheidung vom Unternehmen zum Konsumenten. Ohne eine Veränderung der bestehenden Gesetze können wir zwar kaum etwas gegen die geplante Obsoleszenz machen, aber wir können selbst entscheiden, ob wir uns von den Instrumenten des Marketings diktieren lassen wollen, was in und out ist. Vielmehr sollten wir lernen diese Prozesse zu durchschauen und selbst zu entscheiden, welche Konsumentscheidungen wirklich wichtig sind und eine Verbesserung darstellen oder mit welchen man nur die Gewinne der Unternehmen, die Ausbeutung von Rohstoffen sowie unsere Müllhalden vergrößert.

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