Seit dem Launch im Februar schreibt eine kleine Beauty-Brand eine größere Erfolgsgeschichte. Zu Recht: Die Produkte von Lovely Day Botanicals – wie VIERTEL \ VOR-Favorit „Hyaluron ± Bloom“ – sehen top aus, sind natürlich und wirksam.

Die One-Woman-Show hinter der Marke ist Josephine Förster. Schon als Teenie hat sie, unterstützt von ihrer Apotheker-Tante, eigene Natur-Kosmetika hergestellt und auf dem Flohmarkt verkauft. Seitdem hat Josephine ihre Skills mit Kräutern aus dem eigenen Garten und mit Einflüssen aus aller Welt nahezu jeden Tag weiterentwickelt.

Heute erfindet sie ihre modernen Toner, Masken, Haar- und Gesichtsöle am Schreibtisch in Berlin-Neukölln, produziert wöchentlich Nachschub im Labor in Dahlem und vertreibt alles in selbst designten Fläschchen und Tiegelchen über ihren Online-Shop. Dass die 27-Jährige dabei nicht allein über Schönheit, sondern beispielsweise auch über Zeitgeist in der Naturkosmetik, unnützen Verpackungsmüll und die Wucherpreise durch Vertriebsmarketing nachdenkt, zeigt sich in einem angenehm echten Gespräch mit VIERTEL \ VOR.

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Josephine, Du stellst ausdrücklich Natur-Produkte her. Ist Lovely Day Botanicals mit einem Bio-Label zertifiziert?

Nein, bewusst nicht. Aber ich verwende ausschließlich Inhaltsstoffe, die zertifiziert sind. Das gibt mir eine gewisse Sicherheit in Sachen Qualität. Meine Produkte dann aber auch noch mal zertifizieren zu lassen finde ich nicht so wichtig. Es gibt einen solchen Dschungel an Siegeln und Abzeichen da draußen, das ist für den Verbraucher denke ich manchmal auch echt unübersichtlich – und für die Hersteller ein ziemlich großer Aufwand. Für mich lohnt sich der nicht.

Zumal es ja auch Vertrauen bildet, wenn man eine starke Marke etabliert, für die man wie Du dann auch persönlich steht. Ist das Deine Strategie?

Genau. Denn ich denke das schafft sogar noch mehr Vertrauen als ein Siegel. Auf meiner Seite sind alle Inhaltsstoffe aufgelistet. Ich denke ich biete eine besonders krasse Transparenz. Bezüglich meiner Inhaltsstoffe – und auch bezüglich meiner Motivation und Person. Ich glaube, dass Transparenz im Beauty-Bereich immer wichtiger wird. Ich glaube, dass die große Marken, die kein Gesicht haben und von denen der Verbraucher nicht weiß, wo und wie die Produkte genau hergestellt werden, es auf lange Sicht schwer haben werden. Kosmetik ist etwas sehr Intimes. Was Du Dir auf die Haut schmiert ist nicht nur auf Dir, es ist auch in Dir. Dieses Bewusstsein wächst!

Du selbst bist 27 Jahre alt. Machst Du Dir Gedanken über das Dauerbrenner-Thema junge Haut?

(lacht) Habe ich lange nicht gemacht. Aber seit zwei Jahren schon… Als Jugendliche hat mich allein das Gefühl geflasht, wie diese schönen, natürlichen Öle meine Haut weich und geschmeidig machen. Aber je älter Du wirst umso mehr merkst du einfach, dass das allein nicht mehr ausreicht. Die Haut braucht auf lange Sicht einfach mehr.

Was hilft wirklich gegen Fältchen?

Hyaluron hilft optisch, also temporär. Die feinen Linien kommen aber wieder, wenn man es nicht mehr benutzt. Vitamin A macht die Haut dicker. Das hält sie nachhaltig jünger, wird als natürliches Produkt aber nicht so gut aufgenommen wie in synthetischer Form, als Retinol. Das ist der einzige Wirkstoff, der Hautalterung wirklich aufhalten kann. Ein synthetischer Wirkstoff.

Muss man also ganz klar sagen, wer nur natürliche Kosmetik nutzt, wird optisch schneller alt?

Wenn man sich wirklich ganz ausschließlich, also zu hundert Prozent auf natürliche Inhaltsstoffe verlässt, dann ist das so. Schon bei 99 Prozent stimmt es nicht mehr. Und ich sage: 99 Prozent Natur und ein Prozent, sagen wir mal Retinol, ist weit besser als 100 Prozent Synthetik.

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Was glaubst Du haben Leute, die sich noch nie damit beschäftigt haben, für Vorurteile gegenüber Naturkosmetik?

Für einige sind es sicher die Düfte. Nicht jedes Bio-Produkt riecht nach einer schönen Blüte. Manche riechen auch nach Salbei – oder nach mehr oder weniger gar nichts.

Noch wichtiger ist aber denke ich die Gewohnheit: Wer konventionelle Kosmetik benutzt, ist einen Soforteffekt gewohnt. Die enthaltenen Silikone et cetera machen die Haut sofort glatt und geschmeidig. Das funktioniert bei vielen Naturkosmetika nicht so schnell. Da ist die Forschung im Bereich Naturkosmetika in den letzten Jahren leider ein bisschen hängen geblieben. Deshalb sind die Texturen bei vielen natürlichen Linien noch eher dick, schwer, intensiv. Teilweise zersetzen sich diese Cremes und Produkte mit der Zeit. Die Emulgatoren, die Öl und Wasser miteinander verbinden, sind seit Jahrzehnten nicht verbessert worden.

Aber das kann ja noch kommen! Zumal in den letzten Jahren schon eine gewisse Entwicklung bemerkbar war: Die Naturkosmetikmarken versuchen sich mehr und mehr dem gelernten, synthetischen Feel anzunähern. Das merkt man aktuell gerade den neuen Marken an. Auch meiner eigenen. (lacht)

Wie funktioniert Lovely Day Botanicals?

Ich habe natürliche Beauty-Produkte entwickelt, die einfach in den Alltag zu integrieren sind. Meine Produkte sind bewusst leichter. Sie fühlen sich genau so easy an, wie ein synthetisches Produkt. Darüber hinaus sollen Lovely-Day-Produkte auch hübsche Begleiter sein, die man sich gern ins Bad stellt.

Muss Naturkosmetik heute auch ein gutes Corporate-Design haben? Quasi wie ein Coffeetablebook?

Ja. Gerade die Natur-Produkte müssen repräsentativ sein, sie sollen schließlich oft auch nach Außen hin aussagen: Ich benutze etwas Gutes.

Etwas Gutes für sich selbst, klar. Wie wichtig ist Dir darüber hinaus der Umweltaspekt?

Der Effekt auf den Menschen ist mir wichtiger, das muss ich ganz ehrlich sagen. Trotzdem ist für mich ganz klar, dass ich zum Beispiel niemals Hyaluron aus Hahnenkämmen verwenden würde. Meine Kosmetik ist vegan, weil ich Tiere liebe. Darüber hinaus ist mir sehr wichtig, dass ich keinen unnötigen Verpackungsmüll kreiere. Bei Lovely Day gibt es keine Umverpackungen. Denn die sind meines Erachtens völlig sinnlose Deko. Bei mir kommt alles so, wie es ist. Und die Flaschen sind aus Glas und lassen sich super upcyclen. Als Vasen oder für andere, zum Beispiel selbst gemachte Produkte.

Spielt diese Tatsache bei Deinen Kunden eine Kaufentscheidungs-Rolle?

Ich glaube nicht. Aber vielen fällt es nach der Lieferung auf – und dann bekomme ich positives Feedback.

Sicherlich auch für Deine Preise. Die sind ja angenehm realistisch. 

Ja, weil ich direkt verkaufe, ohne Distributions-Agentur dazwischen. Die Preise entstehen ja mitnichten nur durch die Inhaltsstoffe! Bezahlt wird auch das oft viel zu umfangreiche Drumherum. Bei meinen Produkten hätte die Distribution den Verbraucher  mindestens 30 Euro mehr pro Produkt gekostet. Deshalb habe ich mich bewusst dagegen entschieden.

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Eine schöne – und sehr zeitgemäße Entscheidung. Wie geht es bei Dir weiter, was ist Dein nächstes Ziel?

Mein Ziel ist es, auf lange Sicht alle meine Produkt-Ideen umzusetzen.

Machst Du Dir privat nach wie vor auch manchmal noch Produkte selbst?

Ja, vor allem für die Haare, zum Beispeil Kuren aus Kokosöl oder Sheabutter.

Was ist Dein Lieblings-DIY-Beautytipp?

Aloevera frisch aus der Pflanze. Denn bei Aloe gilt, wie bei allen natürlichen Produkten: Es ist ein großer Unterschied, ob der Pflanzenstoff frisch oder verarbeitet ist. Frisches hat immer ein höheres Potenzial – für die Haare und wie für die Haut.

Welches ist Dein persönliches Beauty-No-Go?

Erstens der Klassiker: Nie unabgeschminkt ins Bett. Und zweitens: Keine Peelings benutzen.

Keine Peelings benutzen?

Alles was Körnchen hat, besitzt Ecken und Kanten und fügt der Haut Mini-Verletzungen zu. Alternative sind Fruchtsäurepeelings, die Hautschüppchen ganz sanft lösen. Und generell empfehle ich immer individuelle Beratung. Deine Haut ist einzigartig!

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2 Kommentare

  1. Ich benutze selbst seit Kurzem die Produkte und bin bislang begeistert.

    „Bei Lovely Day gibt es keine Umverpackungen. Denn die sind meines Erachtens völlig sinnlose Deko. Bei mir kommt alles so, wie es ist.“

    Was mich weniger begeistert hat, ist die Tatsache, dass ein sehr kleines Fläschchen in einem sehr großen Karton, der selbst auch nochmal verpackt und mit viel Polsterfüllung ausgestattet wurde, bei mir ankam. Diesen Aspekt könnte Josephine Förster durchaus nochmal überdenken/-arbeiten. Ansonsten: Daumen hoch!

  2. Liebe Leo, vielen Dank dafür :) ich sag mal so, es gibt sehr viele Sachen die noch verbesserungswürdig sind, u.a. verschiedene Kartongrößen kaufen. Derzeit haben wir einen Standardkarton um Mengenrabatt im EK ziehen zu können, verschiedene Größen sind finanziell grad noch nicht drin, aber ich arbeite dran! LG Josy

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