Man kann von zwei Seiten auf das neueste Update des Elektro-Autobauers Tesla, das Model 3, schauen. Die eine wäre die rationale, wirtschaftliche Seite. Da kann man allerhand Zahlen anführen, wie dass die Elektro-Limousine „nur“ um die 31.000 Euro kostet und damit für den Massenmarkt gedacht ist. Oder, dass der Fünfsitzer eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern hat oder wie schnell er von 0 auf 100 beschleunigt (es sind sechs Sekunden). Man kann darüber hinaus auch feststellen, dass Tesla bisher noch keinen einzigen Cent verdient hat und dass der Markt noch nicht reif ist für Elektro-Autos und so weiter und so fort. Das alles kann man machen und das alles ist auch wichtig um ein so engagiertes Projekt zum Erfolg zu führen. Die für uns spannendere Seite ist jedoch eine andere: die Emotionale.

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Es ist der Idealismus der Tesla auszeichnet. Der Idealismus, die Entwicklung eines funktionierenden Elektro-Autos für die Masse trotz aller wirtschaftlichen Bedenken voranzutreiben. Das erinnert stark an die Anfänge von Apple. Nicht ohne Grund campten tausende Fans vor den Toren der Produktpräsentation des Model 3 um live dabei sein zu können. Der Firmenchef Elon Musk hat mit Tesla einen Hype kreiert der trotz seiner vergleichbar minimalen wirtschaftlichen Power längst weltweit für Aufmerksamkeit sorgt.

Tesla ist damit genau die Firma die die traditionellen Autobauer nötigt sich weiterzuentwickeln. Und Weiterentwicklung heisst in diesem Fall die Abwendung von fossilen Brennstoffen hin zum Elektro-Betrieb. Ohne Kompromisse. Zwar haben auch andere Autobauer schon Elektro-Produkte im Angebot, doch die Konsequenz mit der Tesla nicht nur mit einem Teil sondern mit seiner gesamten Produkt-Palette auf Elektro setzt ist einzigartig.

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Damit lässt Tesla die traditionellen Autobauer immer unruhiger schlafen. Schließlich will niemand den Aufbruch in diese neue Welt verpassen. Mit Google und Apple befinden sich zudem noch zwei Weltunternehmen in der Startrampe für einen Take-Over auf dem Automobilmarkt. Es scheint fast so als mache Tesla die Drecksarbeit um den Massenmarkt auf diesen Switch vorzubereiten. So stellt Strategie und Innovationsberater Klaus Schmitz im Spiegel Interview fest: „Die deutschen Hersteller sind weiter als viele denken. Fertige Entwicklungen liegen in den Schubladen und warten wie weitere Kooperationen in der Zellfertigung nur darauf, dass der Markt wirklich reif ist für E-Fahrzeuge.“

Wir befinden uns in einer der spannendsten wirtschaftlichen Zeiten überhaupt. Dass der Switch hin zum Elektro-Auto für die Masse kommt, steht fest. Wann genau er kommt liegt im Willen der Hersteller. Tesla verschiebt diesen Zeitpunkt immer weiter nach vorn und erhöht damit den Druck auf die traditionellen Autobauer. Wenn diese „… ihren Erfolg bei den konventionellen Diesel- und Benzinfahrzeugen mit einem Elektroauto nicht unnötig kannibalisieren“ (Klaus Schmitz – im Spiegel)  wollen ist das ein durchaus nicht ungefährlicher Balance-Akt zwischen alter und neuer Welt. Wie schnell ein Absturz nach so einem Switch gehen kann zeigt das Beispiel Nokia, für die Smartphones bei der Präsentation des ersten IPhones keine Zukunft hatten.

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