Was viele von uns oft vergessen ist, dass all die Lebensmittel, die wir täglich zu uns nehmen irgendwo produziert werden müssen. Dabei ist die Grundlage für alle verarbeiteten und unverarbeiteten Produkte immer die Landwirtschaft! Deswegen haben wir uns mal den Fleischatlas 2016 genauer angeschaut und die für uns spannendsten Zahlen und Aussagen gesammelt.

Fakt ist leider: Der Landwirtschaft geht es nicht gut. Sehen kann man das vor allem an der Anzahl der Betriebe, die in den letzten 20 Jahren stark gesunken ist.

RÜCKGANG DER BETRIEBE

  • Betriebe die Masthühnchen halten sind seit 1994 um 95% von knapp 70.000 auf 4500 zurückgegangen
  • Betriebe, die Schweinefleisch produzieren sind um fast 90% auf 27.000 zurückgegangen

Wer jetzt denkt, dass dann ja auch weniger Tiere gehalten werden, der irrt sich. So ist die Schweinefleischproduktion trotz des Rückgangs der Betriebe fast um die Hälfte gestiegen, die Hühnerfleischproduktion hat sich sogar fast verdreifacht.

Das bedeutet, dass sich die Landwirtschaft von einer kleinteiligen, regionalen Landwirtschaft zu einer industriellen Landwirtschaft gewandelt hat, in der immer mehr Tiere in immer größeren Betrieben gehalten werden.

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DIE GRÖßTEN BETRIEBE

  • eine der größten Ferkelfabriken Europas, die Anlage bei Alt Tellin im Landkreis Vorpommern-Greifswald, hat seit 2013 Platz für 10.458 Muttersauen mit jährlich ungefähr 250.000 Ferkeln
  • die landesweit größte Schweinefabrik in Tornitz in Südbrandenburg hat Platz für 62.000 Tiere
  • im mecklenburgischen Ferdinandshof gibt es eine Rinderzuchtanlage mit 18.000 Tieren
  • in Bassin bei Grimmen gibt es eine Anlage für 966.000 Hühner

Diese Tiere müssen alle irgendwo verarbeitet werden. Eine der größten Geflügel-Schlachtanlagen in Europa steht dabei in Wietze in Niedersachsen. Dort dürfen pro Tag 400.000 Tiere geschlachtet werden!

SOJA ALS FUTTERMITTEL

Damit kommen wir dazu wie all diese Tiere gefüttert werden. Bei diesen riesigen Mengen an Tieren ist Sojaschrot ein immer wichtigeres Futtermittel. So hat sein Import nach Deutschland in den letzten 20 Jahren um über ein Drittel auf 4,5 Millionen Tonnen zugenommen. 80 bis 90 Prozent des in Deutschland verfütterten Sojaschrots geht in die Fleischerzeugung, der Rest in die Milchproduktion.  Die europäischen Sojaimporte kommen ganz überwiegend aus Südamerika, vor allem Brasilien und Argentinien sowie Paraguay. Dort werden vor allem die Savannen gerodet, um neue Flächen für den Sojaanbau zu schaffen. So steht der Fleischverzehr hier in einem direkten Gegensatz zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Lateinamerika.

Glyphosat

Glyphosat ist ein Unkrautvernichter, das im Verdacht steht Krebserregend zu sein. Verkauft werden weltweit jährlich mehr als 720.000 Tonnen Glyphosat. Der Marktwert liegt bei geschätzten 5,5 Milliarden Dollar, die geschätzte Wachstumsrate bei über sieben Prozent. In Deutschland wird Glyphosat auf etwa 40 Prozent der Ackerflächen verwendet.

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GÜLLE UND DIE BÖDEN

Aber nicht nur Agrochemie ist gefährlich für unsere Gesundheit. Die große Menge an Gülle, die durch die Massentierhaltung anfällt ist eine der größten Belastungen für unsere Böden und unser Grundwasser. So weisen z.B. viele Flüsse, Bäche und Seen sowie 40 Prozent der Grundwassermesspunkte in NRW zu hohe Nitratkonzentrationen auf.  In einigen Teilen NRWs wurden Spitzenwerte von 300 Milligramm pro Liter gemessen. Das ist das Sechsfache der Toleranzgrenze.

MILCH

Zu guter letzt noch zum Thema Milch. Seitdem die Milchquote gefallen ist, sind die Milchpreise quasi im freien Fall. So decken ca. 28 Cent je Liter im Herbst 2015 kaum die Hälfte der durchschnittlichen Erzeugungskosten und zerstören auf Dauer die bäuerlichen Existenzen. Bei stabiler Inlandsnachfrage erzielten Bio-Bauern im Herbst 2015 im Schnitt immerhin noch 47 Cent je Liter.

FAZIT

Das klingt alles ziemlich besorgniserregend. Doch ist es tatsächlich so, dass wir als Konsumenten mit unseren Entscheidungen darüber bestimmen wohin der Weg geht. Immer mehr Menschen in Deutschland reduzieren ihren Fleischkonsum und mehr als 80 % der Deutschen sind laut einer Umfrage des Landwirtschaftsministeriums von März 2015 – bereit, höhere Preise für Fleisch und Wurst zu zahlen, wenn sie dadurch zu besseren Haltungsbedingungen der Tiere beitragen. Weniger ist mehr, so lautet die Devise – dafür in guter Qualität und zu fairen Preisen.

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